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Businessplan erstellen für die Firmengründung

9 Min. Lesezeit

Wann brauchen Sie einen Businessplan?

Ein Businessplan ist kein gesetzliches Erfordernis für die Firmengründung in der Schweiz. Weder das Obligationenrecht (OR) noch die Handelsregisterverordnung (HRegV) verlangen ein solches Dokument für den Eintrag ins Handelsregister. Trotzdem ist der Businessplan eines der wichtigsten Werkzeuge für angehende Unternehmer.

Situationen, in denen ein Businessplan zwingend ist

In der Praxis gibt es mehrere Situationen, in denen ohne Businessplan gar nichts geht:

  • Bankkredit – Keine Bank gewährt einen Geschäftskredit ohne fundierten Businessplan
  • Investorensuche – Business Angels, Venture-Capital-Gesellschaften und andere Investoren erwarten ein professionelles Dokument
  • Bürgschaftsgenossenschaften – Organisationen wie die BG Mitte oder BG Ost verlangen einen Businessplan als Grundlage für eine Bürgschaft
  • Förderprogramme – Kantonale Wirtschaftsförderungen und Stiftungen setzen einen Businessplan voraus
  • Franchise-Systeme – Franchise-Geber verlangen in der Regel einen standortspezifischen Businessplan

Auch ohne externe Finanzierung sinnvoll

Selbst wenn Sie keine externe Finanzierung benötigen, lohnt sich ein Businessplan. Er zwingt Sie, Ihre Geschäftsidee systematisch zu durchdenken. Viele Gründer stellen beim Erstellen fest, dass bestimmte Annahmen nicht haltbar sind – besser auf dem Papier als in der Realität.

Ein guter Businessplan hilft Ihnen:

  • Risiken frühzeitig zu erkennen
  • Ihren Finanzbedarf realistisch einzuschätzen
  • Prioritäten klar zu setzen
  • Ihr Geschäftsmodell verständlich zu kommunizieren

Der Aufbau eines Businessplans

Ein professioneller Businessplan folgt einer bewährten Struktur. Im Folgenden erklären wir jeden Abschnitt im Detail.

1. Executive Summary

Die Executive Summary ist die Zusammenfassung Ihres gesamten Businessplans auf maximal zwei Seiten. Sie steht am Anfang des Dokuments, wird aber als Letztes geschrieben. Investoren und Bankberater lesen oft nur diesen Teil – er muss also überzeugen.

Die Executive Summary enthält:

  • Geschäftsidee in zwei bis drei Sätzen
  • Zielmarkt und dessen Grösse
  • Alleinstellungsmerkmal (USP)
  • Finanzielle Eckdaten (Umsatzprognose, Finanzbedarf)
  • Team und dessen Qualifikationen
  • Rechtsform und Firmenstruktur

Tipp: Schreiben Sie die Executive Summary so, dass jemand ohne Vorkenntnisse Ihr Geschäftsmodell innert zwei Minuten versteht.

2. Unternehmensbeschreibung

In diesem Abschnitt beschreiben Sie Ihr Unternehmen im Detail:

  • Firmenname und Rechtsform (Einzelfirma, GmbH, AG)
  • Sitz des Unternehmens
  • Gründungsdatum oder geplantes Gründungsdatum
  • Vision und Mission – Was wollen Sie langfristig erreichen?
  • Unternehmensstruktur – Gesellschafter, Beteiligungen, Organigramm

Erklären Sie auch, warum Sie sich für die gewählte Rechtsform entschieden haben. Die Wahl zwischen Einzelfirma, GmbH und AG hat weitreichende Konsequenzen für Haftung, Steuern und Sozialversicherungen.

3. Produkt oder Dienstleistung

Beschreiben Sie, was Sie anbieten:

  • Was genau ist Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung?
  • Welches Problem lösen Sie für Ihre Kunden?
  • Was unterscheidet Sie von der Konkurrenz (USP)?
  • Wie weit ist die Entwicklung fortgeschritten?
  • Gibt es Schutzrechte (Patente, Marken, Designs)?

Vermeiden Sie Fachjargon. Schreiben Sie so, dass auch ein Branchenfremder versteht, was Sie anbieten. Konzentrieren Sie sich auf den Kundennutzen, nicht auf technische Details.

4. Marktanalyse

Die Marktanalyse ist einer der wichtigsten Abschnitte Ihres Businessplans. Hier zeigen Sie, dass Sie Ihren Markt kennen und dass eine Nachfrage besteht.

Marktgrösse und Marktentwicklung:

  • Wie gross ist der Gesamtmarkt in der Schweiz?
  • Wie entwickelt sich der Markt (Wachstum, Stagnation, Rückgang)?
  • Welchen Anteil können Sie realistisch gewinnen?

Zielgruppe:

  • Wer sind Ihre Kunden (B2B, B2C, Alter, Region, Branche)?
  • Wie gross ist Ihre Zielgruppe?
  • Welche Bedürfnisse hat Ihre Zielgruppe?

Wettbewerbsanalyse:

  • Wer sind Ihre direkten und indirekten Konkurrenten?
  • Was sind deren Stärken und Schwächen?
  • Wie positionieren Sie sich im Vergleich?

Tipp: Nutzen Sie öffentlich zugängliche Daten des Bundesamts für Statistik (BFS), von Branchenverbänden oder von Marktforschungsinstituten. Konkrete Zahlen wirken überzeugender als vage Einschätzungen.

5. Marketing und Vertrieb

Beschreiben Sie, wie Sie Ihre Kunden erreichen und gewinnen wollen:

  • Preisstrategie – Wie kalkulieren Sie Ihre Preise? Positionieren Sie sich im Premium- oder Preissegment?
  • Vertriebskanäle – Online-Shop, stationärer Handel, Direktvertrieb, Partner?
  • Marketingmassnahmen – SEO, Social Media, Inserate, Messen, Empfehlungen?
  • Kundenakquise – Wie gewinnen Sie die ersten Kunden?
  • Kundenbindung – Wie halten Sie Ihre Kunden langfristig?

Erstellen Sie ein realistisches Marketingbudget. Viele Gründer unterschätzen die Kosten für die Kundengewinnung erheblich.

6. Organisation und Management

Investoren investieren in Menschen, nicht nur in Ideen. Stellen Sie Ihr Team vor:

  • Gründerteam – Qualifikationen, Erfahrung, Branchenkenntnisse
  • Schlüsselpersonen – Wer übernimmt welche Aufgaben?
  • Berater und Partner – Treuhänder, Anwälte, Branchenexperten
  • Personalplanung – Wann stellen Sie die ersten Mitarbeitenden ein?

Seien Sie ehrlich bezüglich fehlender Kompetenzen und zeigen Sie auf, wie Sie diese kompensieren – etwa durch externe Berater oder geplante Einstellungen.

7. Finanzplan

Der Finanzplan ist das Herzstück des Businessplans. Hier zeigen Sie, dass Ihr Geschäftsmodell finanziell tragfähig ist.

Investitionsplan:

  • Welche Anfangsinvestitionen sind nötig (Einrichtung, Maschinen, Software, Warenlager)?
  • Wie hoch sind die Gründungskosten (Notar, Handelsregister, Beratung)?

Liquiditätsplan:

  • Monatliche Einnahmen und Ausgaben für die ersten 12 bis 24 Monate
  • Wann erreichen Sie den Break-even?
  • Wie hoch ist der maximale Kapitalbedarf?

Erfolgsrechnung (Planrechnung):

  • Umsatzprognose für drei bis fünf Jahre
  • Fixkosten (Miete, Löhne, Versicherungen, Abonnements)
  • Variable Kosten (Material, Waren, Provisionen)
  • Gewinnprognose

Bilanzplanung:

  • Darstellung der Vermögens- und Kapitalstruktur

Tipp: Erstellen Sie drei Szenarien – optimistisch, realistisch, pessimistisch. Das zeigt Investoren, dass Sie Risiken einkalkuliert haben.

8. Risikoanalyse

Kein Geschäft ist ohne Risiken. Zeigen Sie, dass Sie sich der Risiken bewusst sind und Massnahmen dagegen geplant haben:

  • Marktrisiken – Was passiert, wenn der Markt schrumpft?
  • Finanzielle Risiken – Was, wenn die Umsätze langsamer wachsen?
  • Operative Risiken – Lieferantenausfälle, Personalfluktuation
  • Rechtliche Risiken – Regulatorische Änderungen, Haftungsfragen

Zu jedem Risiko sollten Sie eine Gegenmassnahme formulieren.

Praktische Tipps für einen überzeugenden Businessplan

Umfang und Format

  • 20 bis 40 Seiten sind ein guter Richtwert (ohne Anhänge)
  • Verwenden Sie eine klare Sprache ohne unnötigen Fachjargon
  • Arbeiten Sie mit Grafiken und Tabellen zur Veranschaulichung
  • Gestalten Sie das Dokument professionell – ein schlampiges Layout wirkt unprofessionell

Häufige Fehler vermeiden

  • Unrealistische Umsatzprognosen – Übertriebener Optimismus schadet Ihrer Glaubwürdigkeit
  • Keine Wettbewerbsanalyse – Wer behauptet, keine Konkurrenz zu haben, wirkt naiv
  • Fehlender Finanzbedarf – Berechnen Sie genau, wie viel Geld Sie wirklich brauchen, und planen Sie einen Puffer ein
  • Veraltete Daten – Verwenden Sie aktuelle Marktdaten und Statistiken
  • Kein klarer Kundennutzen – Fokussieren Sie auf das Problem, das Sie lösen

Tools und Unterstützung

Für die Erstellung Ihres Businessplans stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung:

  • IFJ Businessplan-Tool – Kostenloses Online-Tool der Stiftung für Förderung des Unternehmertums
  • Kantonale Gründerzentren – Bieten oft kostenlose Beratung an
  • Treuhänder und Unternehmensberater – Professionelle Unterstützung bei komplexen Finanzplänen
  • KMU-Portal des Bundes (kmu.admin.ch) – Vorlagen und Checklisten

Businessplan aktuell halten

Ein Businessplan ist kein statisches Dokument, das nach der Erstellung in der Schublade verschwindet. Er sollte regelmässig aktualisiert werden – mindestens einmal pro Jahr, idealerweise quartalsweise.

Wann Sie den Businessplan überarbeiten sollten

  • Nach dem ersten Geschäftsjahr – Vergleichen Sie Ihre Prognosen mit der Realität und passen Sie den Plan an
  • Bei wesentlichen Änderungen – Neues Produkt, neuer Markt, geänderte Preisstrategie
  • Vor einer Finanzierungsrunde – Investoren erwarten aktuelle Zahlen
  • Bei Wachstum – Wenn Sie Mitarbeitende einstellen oder expandieren wollen

Plan vs. Realität: Der Soll-Ist-Vergleich

Führen Sie regelmässig einen Soll-Ist-Vergleich durch. Vergleichen Sie Ihre geplanten Umsätze, Kosten und Meilensteine mit den tatsächlichen Ergebnissen. Weichen die Zahlen stark ab, analysieren Sie die Ursachen und passen Sie den Plan an.

Dieser Vergleich hilft Ihnen nicht nur bei der Planung, sondern auch bei Bankgesprächen und Investorentreffen. Wer zeigen kann, dass er seine Zahlen kennt und Abweichungen erklären kann, wirkt kompetent und vertrauenswürdig.

Businessplan für verschiedene Rechtsformen

Einzelfirma

Bei der Einzelfirma ist der Businessplan in der Regel weniger umfangreich. Da kein Mindestkapital erforderlich ist und die Gründung unkompliziert abläuft, reicht oft ein vereinfachter Geschäftsplan mit Fokus auf Finanzen und Markt.

GmbH

Für die GmbH-Gründung mit einem Stammkapital von mindestens CHF 20'000 sollte der Businessplan solider sein. Besonders wenn mehrere Gesellschafter beteiligt sind, dient er auch als gemeinsame Planungsgrundlage.

AG

Bei der AG, deren Aktienkapital mindestens CHF 100'000 beträgt, wird ein umfassender Businessplan erwartet. Dies gilt besonders, wenn externe Investoren Aktien zeichnen sollen.

Checkliste: Was gehört in den Businessplan?

Bevor Sie Ihren Businessplan einreichen oder vorlegen, prüfen Sie folgende Punkte:

  • Executive Summary – Ist die Zusammenfassung verständlich und überzeugend?
  • Geschäftsidee – Ist der Kundennutzen klar formuliert?
  • Marktanalyse – Basiert sie auf konkreten Daten und Quellen?
  • Wettbewerbsanalyse – Haben Sie direkte und indirekte Konkurrenten identifiziert?
  • Marketingstrategie – Ist der Weg zum Kunden realistisch geplant?
  • Finanzplan – Sind die Zahlen plausibel und mit drei Szenarien hinterlegt?
  • Risikoanalyse – Sind die wichtigsten Risiken benannt und Gegenmassnahmen formuliert?
  • Team – Sind die Kompetenzen und Erfahrungen des Teams dargestellt?
  • Layout – Ist das Dokument professionell gestaltet und fehlerfrei?
  • Anhänge – Sind Lebensläufe, Referenzen und weitere Unterlagen beigefügt?

Ein vollständiger Businessplan, der alle diese Punkte abdeckt, gibt Banken und Investoren das nötige Vertrauen in Ihr Vorhaben.

Vom Businessplan zur Firmengründung

Ein fertiggestellter Businessplan ist der perfekte Startpunkt für Ihre Firmengründung. Sobald Sie Ihre Planung abgeschlossen haben, können Sie den nächsten Schritt gehen: die formelle Gründung und den Handelsregistereintrag.

Beachten Sie: Der Businessplan ist ein lebendes Dokument. Aktualisieren Sie ihn regelmässig und passen Sie ihn an die Realität an. Viele erfolgreiche Unternehmer überarbeiten ihren Businessplan im ersten Jahr mehrfach.

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